Collegium Marianum

Mack-Kapelle / Collegium Marianum, Neuss-Stadionviertel
I. Historie
 
Der neubarocke Gesamtbau mit seiner Kapelle im Ostflügel entstand im Jahre 1908 und wurde von den Töchtern vom Hl. Kreuz als Mädchenerziehungsheim mit dem Namen „Notburgahaus“ geführt. Im Jahre 1962 ging das Gebäude in den Besitz des Erzbischöflichen Collegium Marianum über, das der Kölner Erzbischof Kardinal von Geissel im Jahre 1852 als Knabenkonvikt (Wohnheim für spätere Theologiestudenten) gegründet hatte.
 
Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte der damalige Konviktsdirektor Johannes W. Becker die Idee, auch jungen Männern mit abgeschlossener Berufsausbildung  über den sog. 2. Bildungsweg den Zugang zum Abitur, Theologiestudium und Priesteramt zu ermöglichen. Das Wohnheim für Knaben wurde im Laufe der Jahre hauptsächlich zu einem Wohnheim für junge, erwachsene Männer, in der Spitze mit bis zu 350 Bewohnern, die am Erzbischöflichen Abendgymnasium und Friedrich-Spee-Kolleg die Allgemeine Hochschulreife erzielten.
 
Das veränderte Liturgieverständnis im Kontext des II. Vatikanischen Konzils, aber auch der inzwischen unansehnlich gewordene Zustand der Kapelle führten zu Überlegungen einer grundlegenden Neugestaltung. Es setzte sich dabei der Gedanke durch, den zwar in der säkularen Kunstszene bekannten Mönchengladbacher „Lichtkünstler“  Heinz Mack, der aber im Bereich sakraler Kunst noch nicht hervorgetreten war, für diese Aufgabe zu gewinnen. Heinz Mack ließ sich auf ein Projekt ein, das sowohl von seiten des Künstlers als auch des Auftraggebers ein hohes Maß an Sensibilität verlangte und lebhafte, kritische Diskussionen hinsichtlich der Grenzen künstlerischer Gestaltungsmöglichkeit in einem gottesdienstlichen Raum auslöste. Schließlich entschied der damalige Kölner Kardinal Joseph Höffner (+ 1987) persönlich, Heinz Mack den Auftrag zu erteilen. Am 8. Mai 1988 konnte anstelle des verstorbenen Kardinals Weihbischof Hubert Luthe als Diözesanadministrator die Kapelle einweihen und den Altar konsekrieren.
 
Die stark rückläufigen Zahlen der Studierenden am Erzb. Abendgymnasium Neuss und damit zwangsläufig auch der Bewohner des Konvikts Collegium Marianum führten dazu, dass das Erzbistum Köln 1990 das Abendgymnasium auflöste und im Jahre 2006 auch die Pforten des Konvikts schloss. Gebäude und das parkähnliche Grundstück wurden im Jahre 2007 an den Neusser Bauverein verkauft.
 
II. Künstlerische Gestaltung

Wesentliches künstlerisches Gestaltungsmedium ist das häufig auftretende  „M“ für Maria: im Eingangsportal, in der Anordnung des Orgelprospekts, des Tabernakels bei geöffneten Flügeln, beim Ambo etc. Faszinierend wirkt die Gestaltung und Farbgebung der Fenster, die die Schöpfungsgeschichte von „Es werde Licht“ bis zur „Krone der Schöpfung“, der Menschwerdung, darstellen. Die Sgraffiti auf der den Fenstern gegenüberliegenden Wand schaffen die Einheit von immaterieller und materieller Weltsicht. Höhepunkt der Lichtdramaturgie der Fenster ist die schon beim Betreten der Kapelle dominierende Konzentration auf das Lichtkreuz in der Apsis: Das Leidenskreuz wird zum Auferstehungskreuz!
Dass diese Kapelle der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ geweiht ist, wird
auch deutlich durch eine 3 Meter hohe, machtvoll erscheinende Marienskulptur mit
dem Christussymbol in einer Mandorla.
 
III. Aktuelle Nutzung
 
Schließung und Verkauf des Konviktsgebäudes hatten zur Folge, dass auch die von Heinz Mack gestaltete Kapelle als Sakralraum nicht mehr benutzt wurde und der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich war.
Von Seiten des Erzbistums gab es hinsichtlich einer weiteren Nutzung der Kapelle keinerlei Auflagen. Der Neusser Bauverein füllt nun genau an diesem Punkt eine Leerstelle, indem er eine Verpflichtung übernimmt, die eigentlich nicht zu seinen Aufgaben gehört, nämlich den Sakralraum als Gesamtkunstwerk zu erhalten und ihn wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Neusser Bürger, Ehemalige des Marianums und Kunstinteressierte haben im Jahre 2009 einen „Freundes- und Förderkreis der Mack-Kapelle Marianum e.V.“ gegründet, um das Anliegen des Neusser Bauvereins zu unterstützen und darüber hinaus es zu einem Anliegen auch der Öffentlichkeit zu machen. Es gilt, die Betriebskosten zu decken und die Organisation der Nutzungsmöglichkeiten der Kapelle zu gewährleisten. 
 
  • Eucharistiefeiern finden am 4. Sonntag eines Monats um 18.00 Uhr statt. Termine werden hier in der Kirchenzeitung und in der Lokalpresse veröffentlicht. Die kirchlichen Hochfeste Ostern, Pfingsten und Weihnachten sowie die Zeiträume der Schulferien sind ausgenommen. Die Gottesdienste werden von Priestern gehalten, die bereit sind, einmal im Jahr in die Kapelle zu kommen.
  • Sog. Sondergottesdienste aufgrund persönlicher Anlässe sind nach terminlicher Absprache möglich; ein Priester bzw. qualifizierter Laie, der diese Gottesdienste hält, muss mitgebracht werden. Auch die inhaltliche Vorbereitung muss von den Initiatoren geleistet werden.
  • Kunstführungen können nach Terminabsprache vereinbart werden und umfassen den zeitlichen Rahmen von 1 ½ Stunden; nähere Informationen auf der Homepage  www.mack- kapelle-marianum.de.
  • Konzerte im kleineren Rahmen, die der Größe des Kapellenraumes angemessen sind, können ebenfalls stattfinden.