Neuss: Orgel in St. Quirin bildet mit ihrem Klang ein ganzes Orchester ab

Gut versteckt auf den Emporen: die kostbare Orgel in der Neusser Münsterbasilika St. Quirin. Foto: TZ
Gut versteckt auf den Emporen: die kostbare Orgel in der Neusser Münsterbasilika St. Quirin. Foto: TZ

Die Landesmusikräte in Deutschland haben die Orgel zum "Instrument des Jahres 2021" erkoren. Nicht nur deswegen lohnt sich ein Blick auf die Orgel in der Neusser Basilika St. Quirin.

Alte Schuhmachertechnik und neue Digitaltechnik schließen einander nicht aus. Im Gegenteil. Das beweist Kantor Joachim Neugart (60), Organist an der romanischen Basilika St. Quirin in Neuss. Beim Spiel der Orgel trägt er immer noch seine Orgelschuhe von 1986 und sagt auch gleich, was sie auszeichnet: „dünne Sohle, schmale Passform, kleiner Absatz.“ Ganz im Gegensatz zu den abgewetzten Altertümchen steht der Spieltisch des Organisten – „ein hochkomplexes digitales Teil“, wie Neugart sagt. Das Programm darin zeichnet alles Gespielte auf und vermittelt bei der Wiedergabe den Klang, wie er unten bei den Zuhörern im Kirchenschiff ankommt.

Die 86-Register-Orgel von St. Quirin ist eine der größten im Erzbistum und wurde 1907 von der Firma Ernst Seifert, Köln und Kevelaer, gebaut. „Man hat damals weder hohe Kosten noch viel Material gescheut“, sagt Neugart über das Instrument mit seinen über 6000 Pfeifen zwischen drei Zentimetern und neun Metern Größe.

Und dann gibt der Musiker eine regelrechte Liebeserklärung ab: „Diese Orgel ist ein Schätzchen. Sie ist weitestgehend im Original erhalten und bildet mit ihrem Klang ein ganzes Orchester ab. Sie besitzt Kathedral-Format, und das Besondere ist ihre edle und gehaltvolle Fertigung.“ Das Instrument eigne sich glänzend für Alte Musik, „und man kann wunderbar improvisieren“.

Und dabei versteckt sich die kostbare Orgel von St. Quirin ganz bescheiden auf zwei Emporen und ist von unten kaum zu sehen. „Sie muss um die Ecke klingen und geht dadurch mit dem Kirchenraum eine einzigartige Symbiose ein. Sie transportiert den Klang quasi durch die Galerien der Emporen hindurch“, berichtet Neugart, der 1988 ans Neusser Münster berufen wurde.

Dort ist er für die Leitung der Chöre sowie die Orgelmusik in Liturgie und Konzert zuständig. Außerdem ist er Leiter der Veranstaltungsreihe „Orgelsommer“, zu der dieses Jahr die Kathedral-Organisten von Basel, Straßburg, Antwerpen und Riga erwartet werden. Zahlreiche CD-Einspielungen und Rundfunkaufnahmen legen Zeugnis ab von Neugarts künstlerischer Tätigkeit. Da er wegen Corona seine samstäglichen „Orgelstunden zur Marktzeit“ nicht ausrichten kann, geht er jede Woche online und veröffentlicht Orgelstücke auf YouTube oder im Internet: www.muenstermusikneuss.de