Kirchliche Büchereien vor dem Aus?

In den katholischen öffentlichen Büchereien werden unter anderem Leseförderprojekte für Kinder angeboten.
In den katholischen öffentlichen Büchereien werden unter anderem Leseförderprojekte für Kinder angeboten.
Den kirchlichen öffentlichen Büchereien in Neuss stehen schwere Zeiten bevor. Im Rahmen des sogenannten Haushaltskonsolidierungskonzepts will die Stadt ihren Zuschuss in Höhe von rund 7.000 Euro jährlich streichen. Das zumindest sieht der Entwurf der Stadtverwaltung vor.
 
Dagegen wehrt sich Manfred Berdel, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft kirchlicher öffentlicher Büchereien (KOEBAG). Er hat eine Protestnote an die Stadt Neuss verfasst und weist auf die große Reichweite der Büchereien hin. Sie dienten mit rund 120.000 Ausleihen pro Jahr der Bücherversorgung besonders für Kinder, junge Familien, Senioren und Behinderte. Gerade in den Außenbezirken sei die Bedeutung groß. Ein Ziel der städtischen Förderung sei doch, nach der Schließung der Zweigstellen der Stadtbibliothek und der Abschaffung des Bücherbusses die bibliothekarische Versorgung auch dieser Bezirke zu gewährleisten. Vor allem aber stützt Berdel seine Argumentation auf den Schwerpunkt der Büchereien in der Sprach- und Leseförderung: „Wir arbeiten eng mit Kindergärten und den örtlichen Grundschulen zusammen.“
 
Die Hoffnung von Berdel und seinen Mitstreitern ruht nun auf der Politik. Der Stadtrat hatte einen gleich lautenden Vorschlag schon in der Vergangenheit einmal abgelehnt. Wie die Entscheidung in diesem Jahr ausfallen wird, ist angesichts der verschlimmerten Finanzsituation der Stadt aber noch offen. Die CDU-Fraktion, die gemeinsam mit der FDP die Mehrheit stellt, berät den Haushaltsplan 2013 am kommenden Wochenende.
 
Dann werden die Politiker auch über weitere Vorschläge der Stadtverwaltung beraten, von denen kirchliche Einrichtungen betroffen sind: So soll der Zuschuss für den Betrieb des Jugendzentrums „Haus der Jugend“ gestrichen werden, ebenso die Förderung des „Familienforums Edith Stein“. Die Förderung der Kirchenmusik steht auf der Streichliste; und auch Zuschüsse zu den Martinszügen soll es nicht mehr geben. Insgesamt geht es um rund 250.000 Euro.